FARBDIALOG September - Schrift

Monatlich reden Lone Bjørn und Beat Soller über ihre Arbeit.
Dänischer Akzent trifft auf Thurgauer Dialekt.

Farbdialog zwischen zwei Farbgestaltern

Beat: Hey Lone, manchmal denke ich, Schrift ist eine der direktesten Ausdrucksformen, neben Sprache, Gestik und Haptik. Sie ist so viel mehr als nur Inhalt.

Lone: Stimmt - ich erinnere mich, wie du von deiner Buchstabensuppe erzählt hast, die du als Kind so mochtest.

Beat: (lacht) Ja, die kleinen Buchstaben auf dem Tellerrand – für mich war das wie eine Schreibstube zum Abendessen, sehr inspirierend ;-)

Lone: Rührt deine Leidenschaft für die Schriftgestaltung aus der Kindheit?

Beat: Die Schriftgestaltung hat mich in allen meinen Lebensphasen immer wieder fasziniert. In der Ausbildung zum Malermeister war Schrift mein Wahlfach. Da habe ich von der Pike auf gelernt, was Schrift ist. Wir haben das Alphabet der Helvetica Regular penibel gezeichnet. Es geht ja nicht nur ums Lesen, sondern ums Verstehen. Strich, Raum, Zwischenraum – das macht den Charakter einer Schrift aus.

Lone: Und für uns Gestalter:innen ist es wichtig, wie wir mit dem Schwarzanteil und dem Weissanteil einer Schrift umgehen. Der Rhythmus, die Zeilenabstände, die Sperrung – alles trägt zur Spannung und Lesbarkeit einer Schrift bei.

Beat: Bei uns geht es ja darum, wie wir Schrift und Information in die Architektur einbringen. Wir gestalten unterschiedlichste Bereiche im öffentlichen wie im privaten Raum. Beispielsweise Schulhäuser, Industrie- und Bürobauten, Tiefgaragen, Hausbeschriftungen und vieles mehr.

Lone: Da fühlen wir uns zu Hause – Wir analysieren die Situation und die Erwartungen, definieren die Absicht und erstellen das Konzept. Anschliessend planen wir die Beschriftungen und der Signaletik zunächst am Computer, bevor es dann in die Produktion geht.

Beat: Signaletik ist griffig: „Wo bin ich und wie komme ich zu meinem Ziel?” Dabei werden nicht nur Texte eingesetzt. Oft arbeiten wir auch mit Farben, Piktogrammen oder Informationsgrafiken. Diese sind interkulturell und altersunabhängig verständlich.
Konkret setzen wir die Schriften dann mit Folien oder dreidimensionalen Elementen um. Das können Schilder, ausgeschnittene und aufgesetzte Buchstaben sein. Ausserdem nutzen wir Sieb- und Digitaldrucke, Fräs- und Strahlverfahren. Die Möglichkeiten der Werbetechnik sind sehr vielfältig.

Unsere Aufgabe besteht darin, aus der Vielzahl der Medien und der Komplexität der Aufgabe einfache und verständliche Beschriftungen bzw. Orientierungen zu gestalten.

Lone: Dies kann auch durch den gezielten Einsatz von Farbe unterstützt werden. Denn viele Menschen erinnern sich besser an Farben als an Buchstaben oder Zahlen.

Beat: Oh je, wer kennt diese Situation nicht aus eigener Erfahrung? Ich stand schon im Parkhaus und wusste nicht mehr, wo genau ich mein Auto abgestellt hatte. Zum Glück haben mich die Farben, Zahlen und Symbole an die richtige Stelle erinnert.

Erinnerst du dich noch an unsere grösste Arbeit?

Lone: (grinst) Die Schrift auf der Fassade … 12 Meter lang, 3 Meter hoch.

Beat: Genau! Ein Riesenprojekt. Ich denke oft, dass wir einen extrem schönen und spannenden Beruf ausüben dürfen. Unser Denken und Handeln orientiert sich an immer neuen Aufgabenstellungen und einzigartigen Lösungen. Das macht sehr viel Spass!

Lone: Das finde ich auch. Worüber schreiben wir nächsten Monat ....