FARBDIALOG Oktober

Monatlich reden Lone Bjørn und Beat Soller über ihre Arbeit.
Dänischer Akzent trifft auf Thurgauer Dialekt.

Farbdialog zwischen zwei Farbgestaltern

Lone: Stil und Geschmack sind subjektiv, aber professionelle Gestaltung erfordert mehr als nur persönliche Vorlieben.

Beat: Stimmt, mit der Zeit entwickelt jede:r seinen eigenen Stil, der auf den Erfahrungen basiert. Ich war ein 70iger Jahre Tapetenkind. Heute habe ich mein Tapetentrauma aus Kindertagen überwunden. ;-)

Lone: Genau, ob wir etwas als angenehm oder unangenehm empfinden, hängt stark von unserer Stilprägung ab. Ich erinnere mich gerne an das wohlig grüne Sofa meiner Grossmutter. Es gab mir ein gutes Gefühl, das bis heute anhält.

Beat: Wenn der Farbstil individuell ist, können Farbgestalter:innen dann überhaupt objektiv beraten? Ist Farbgestaltung Zufall?

Lone: Die einfache Antwort lautet: Jein. Einerseits ist unser eigenes Stilempfinden die Basis, andererseits lernen wir als Farbprofis in der Ausbildung, Stile systematisch zu analysieren. Dabei betrachten wir das Zusammenspiel von Raum, Licht, Material, Form, Farbe und Ornament. Ebenso wichtig ist die Funktion, die an Farbe gestellt wird.

Beat: Es geht also nicht nur um den eigenen Geschmack, sondern auch um ein tieferes Verständnis.

Lone: Genau. Mit der Zeit entwickeln wir ein Gespür für die Funktion von Stilepochen, Länderstilen oder Autorenstilen. So erweitern wir unser Repertoire, das nicht nur auf unseren eigenen Vorlieben basiert.

Beat: Und was bedeutet das konkret in unserem Alltag?

Lone: Im Arbeitsalltag führen wir stets eine gründliche Analyse der Aufgabe sowie der architektonischen Ausgangslage durch. Anschliessend verstehen wir die Wünsche der Kund:innen und entwickeln auf dieser Grundlage ein fundiertes Gestaltungskonzept, das Erfahrung, Stilverständnis und Analyse vereint. Die eigene Idee bleibt dabei nicht aussen vor.

Beat: Das ist dann die Entscheidungsgrundlage für die Kunden?

Lone: Ja, weil es ein durchdachtes Konzept ist, hält es auch kritischen Anmerkungen stand. Es geht nicht um „schön“ oder „unschön“, sondern um klare Kriterien wie Idee, Kontrast, Materialmix und Raumqualität.

Beat: Ist es für dich einfach, dich immer wieder von deiner eigenen Vorstellung zu lösen?

Lone: Nein, das ist es nicht immer. Gerade die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Gestaltungsaufgaben erweitert jedoch meine Wahrnehmung. Mit dem Alter werde ich präziser und gleichzeitig offener. Mir ist es wichtig, dass ein Konzept stimmig ist und die zugrunde liegende Idee spannend und qualitätsvoll ist.

Beat: Zum Glück unterliegen Farbe und Geschmack keiner mathematischen oder psychologischen Vorgabe. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind unbegrenzt. Jede Zeit und jede Gesellschaft erfinden neue Ideen und Konzepte. In der Musik werden Melodien ebenfalls nie verstummen. Es geht immer weiter.

Lone: Spannend, lass uns beim nächsten Mal über Farbpsychologie nachdenken!